17 Jan

Kalt und doch dynamisch – die Antarktis lebt

98% der Antarktis sind mit Eis bedeckt und enthält mehr als 50% des gesamten Süßwassers der Erde. Die Antarktis ist fast vollständig mit einer bis zum 3 km (!) dicken Eisschicht bedeckt.

Wer sich einmal im Praktikum mit dem Thema Gefrierpunktserniedrigung auseinandersetzen musste, weiß auch, warum diese Eisdecke aus salzarmem Wasser besteht.

Viel interessanter als diese chemisch-physikalischen Betrachtungen: Das Eis ist nicht starr und statisch wie man meinen könnte, sondern dynamisch und mobil.

Getrieben durch einen Potentialgradienten fließt das Eis beständig Richtung See, schmilzt dort und wird simultan neu aufgebaut. Wir sehen nur diese gewaltige Landschaft aus Schnee und Eis und denken: Hier passiert doch nichts. Sogar eine Bananenschale braucht auf der Antarktis 100 Jahre, um zu verwesen.

In Wahrheit ist die Antarktis quicklebendig und ständig aktiv. Sie zeigt es uns nur nicht offen.

Drei Kilometer Eis… Eine unvorstellbare Masse. Aber was ist eigentlich dadrunter? Gibt es überhaupt ein dadrunter?

Ja!

Tatsächlich ist die Antarktis sehr früh in der Erdgeschichte einmal eisfrei gewesen. Zu einer Zeit, als es auf der Erde deutlich wärmer war als heute. Es ist schwer vorstellbar, dass unter diesem gigantischen Kältepanzer einmal blühende Flora und Fauna geherrscht hat.

Zu erforschen, wie die Oberfläche der Antarktis in eisfreien Tagen einmal ausgesehen hat, ist eine faszinierende Aufgabe. Der British Antarctic Survey (das Polarforschungsprogramm von Großbritannien) hat in Zusammenarbeit mit der NASA eine Simulation erstellt, die zeigt, wie die Antarktis ohne Eis aussähe:

Um einen kleinen geographischen Sprung zu machen: Der Name Grönland leitet sich von Grünland ab. Viel mehr ist doch eigentlich nicht erforderlich, um sich vorstellen zu können, wie es auf Grönland einmal ausgesehen hat.

Nun höre ich schon die Klimakritiker argumentieren: Seht ihr, das Klima auf der Erde unterliegt nun einmal ständigen Veränderungen, auf die der Mensch keinen Einfluss hat.

Die Aussage ist richtig, die Implikation nicht: Die Erde ist erheblichen externen Einflüssen unterworfen und ein Wechsel von Eiszeiten und Wärmeperioden ist als normal anzusehen. Jedoch erfolgt die aktuelle Klimaerwärmung mit einer Geschwindigkeit, die in keiner Weise als normal anzusehen ist.

7 Milliarden Menschen und vor allem: Das, was diese 7 Milliarden Menschen an Maschinen schaffen (noch genauer ein kleiner Teil von Ihnen!) ist sehr wohl in der Lage das empfindliche Gleichgewicht der Erde nachhaltig zu stören und Entwicklungen zu initiieren, die das Leben auf unserem Planeten nachhaltig gefährden können.

So schön es auch ist, den früheren Zustand der Antarktis zu erforschen: Ich möchte nicht, dass die Menschheit in der nahen Zukunft wieder eine eisfreie Antarktis zu sehen bekommt.