21 Feb

Smart Grid: Wie unser Stromnetz bis zur globalen Energiewende effizienter genutzt werden kann

Wir hatten bereits gesehen, wie das Energienetz der Zukunft aussehen wird: Die Welt wird energetisch weitgehend vernetzt sein und ein Erzeuger in Südafrika kann z.B. einen augenblicklichen Engpass in Pinneberg ausgleichen.

Zweifellos ist es bis dahin noch ein weiter Weg und es müssen noch zwei wichtige Probleme gelöst werden:

a) kostengünstige Stromspeicher

b) elektrischen Strom ohne nennenswerte Verluste über tausende Kilometer zu befördern

Obwohl Optimist, denke ich, dass wir den Idealzustand einer globalen energetischen Vernetzung nicht in weniger als 20 Jahren schaffen werden. Technik und Wissenschaft werden den Weg dahin finden, aber es wird noch ein großes Stück Arbeit sein.

Die Frage ist: Sollen wir uns bis dahin zurücklehnen und den Status quo aufrechterhalten? Sollen weiter Kohlekraftwerke wie Hamburg Moorburg ihren Gift in die Atmosphäre blasen?

Wir müssen mittelfristige Lösungen finden, die uns auf dem Weg zum großen Endziel gleichermaßen als Krücken dienen.

Eine solche Lösung kann darin bestehen, weitere Anreize für Erzeuger und Verbraucher zu erschaffen. Der Anstieg der Strompreise ist bereits ein wichtiger Schritt.

Jeder sagt, er will die Umwelt schützen und Energie sparen. Aber die meisten werden eben erst aktiv, wenn Inaktivität ihren Geldbeutel trifft…

Dieses nur allzumenschliche Verhalten sollten wir uns weiter zunutze machen, um insbesondere die extremen Schwankungen durch die Einspeisung von Solar- und Windkraftanlagen auszugleichen.

Die Antwort darauf lautet: Smart Grid. Das „intelligente Stromnetz“ ist ein ehrgeiziges Projekt, das von der EU stark vorangetrieben wird. Das Ziel besteht vereinfacht gesagt darin, dass immer nur soviel Strom erzeugt wird wie auch tatsächlich benötigt wird.

Das System beruht auf zwei Säulen:

  1. Die Erzeugung und Einspeisung steuern. Die Erzeugereinheiten bekommen von einer zentralen Leitstelle den momentanen Bedarfswert vorgegeben und richten ihre Produktion daran aus. Das klappt nur, wenn kleine Erzeugereinheiten zu größeren Clustern zusammengefasst werden, denen zusätzliche wirtschaftliche Anreize eingeräumt werden.Wenn sich etwa mehrere Biokraftwerke virtuell zusammenschließen, können diese an dem Strommarkt teilnehmen und sich Preisunterschiede zunutze machen – an der Börse können sie bessere Preise erzielen als ihnen dies zuvor als Individualeinheit möglich war.

    Die Erzeugung bleibt demnach dezentral wird aber um einen zentralen virtuellen Zusammenschluss von Mikroeinheiten erweitert.

  2. Anreize für die Verbraucher. Stell dir vor, der Strom ist um 08 Uhr morgens 30% günstiger als um 18 Uhr. Würdest du nicht vielleicht die Waschmaschine anmachen, bevor du zu Arbeit gehst statt danach?Die Verbraucher müssen zu einer stärkeren Teilnahme an umweltpolitischen Maßnahmen gezwungen werden. Ich schreibe hier bewusst von Zwang und rufe damit vielleicht einigen Widerstand hervor. Tatsache ist nun einmal, dass der Mensch ein träges Individuum ist. Langjährige Gewohnheiten werden sich nur durch direkte oder indirekte Zwänge brechen lassen – ob das nun eine Anhebung der Strompreise und der Verbot von Glühlampen ist.

Mein Wunsch ist allerdings, dass die Reize positiv formuliert werden. Man kann den Menschen sagen: Heute abend ist der Strom doppelt so teuer. Oder man sagt: Heute früh zahlst du nur die Hälfte für den Strom. Das Ergebnis ist dagleiche, doch auch in der Energiepolitik gilt: Der Ton macht die Musik.